Nach dem Scott Kinabalu Trail folgt nun der Ultra – eine logische Konsequenz im Trailrunning-Bereich. Langstrecken jenseits der Marathondistanz sind längst mehr als etabliert und keine Nische mehr, die nur wenige Anhänger findet. Der Schweizer Hersteller bringt hier ein interessantes Modell auf den Markt. Lange war es ruhig um Scott – aber halt: Ultra? Da war doch was … 2019 wurde der Supertrac Ultra RC geboren, ein überaus griffiger und robuster Schuh. In Sachen Dämpfung verspricht der 2026 aktuelle Kinabalu Ultra jedoch mehr Komfort. Über die Jahre hat Scott Erfahrung gesammelt und mit neuen Technologien gearbeitet – eine schöpferische Pause, die einen sehr interessanten Trailschuh hervorgebracht hat. Doch was kann der Kinabalu Ultra, was der Kinabalu Trail nicht kann? Und was macht ihn aus? Das will ich im folgenden Test herausfinden.


Design und Passform
Die Jahre der beobachtenden Zurückhaltung haben Scott gutgetan. Der Kinabalu Ultra ist ein komplett anderer Schuh als der Supertrac Ultra. Optisch nähert er sich dem zuvor erschienenen Kinabalu Trail an. Besonders auffällig ist, dass er zwar eine dickere Zwischensohle aufweist, diese jedoch längst nicht so überdimensioniert ist wie bei einigen anderen Marken. Er wirkt eher schmal und nimmt sich im Design zurück, bleibt aber der typischen „Scott-Linie“ treu. Das Logo ist unübersehbar, und auch die Schuhform ist charakteristisch für den Schweizer Hersteller.
Man sollte sich jedoch von dem schlanken Leisten nicht täuschen lassen: Der Kinabalu Ultra ist ein wahres Raumwunder und bietet auch für breite Füße ausreichend Platz. Der Vorfußbereich ist großzügig gestaltet und lässt blauen Zehen nach einem langen Tag auf den Trails keine Chance. Dank des flexiblen, sehr gelungenen Obermaterials und der Schnürung lässt sich der Schuh gut an den Fuß anpassen. Der Schaft ist leicht gepolstert – genau richtig dosiert, um Druckstellen zu vermeiden und gleichzeitig ausreichend Komfort zu bieten. Schließlich ist er dafür gemacht, lange und viele Kilometer zu laufen.
Trailrunning bedeutet nicht, sich auf gleichbleibendem Untergrund zu bewegen, sondern beinhaltet schnelle Richtungswechsel, Sprünge, Steine, Wurzeln und flotte Downhills. Daher ist die tiefe Aussparung im Knöchelbereich gut gewählt. Wie bereits erwähnt, hält sich das Volumen der Zwischensohle eher zurück, wodurch man relativ tief im Schuh steht – das sorgt für einen sicheren Stand. Doch zur Performance gleich mehr.


Technologie und Spezifikation
„Good shoes take you to good places.“
Damit das auch wirklich funktioniert, ist ein Schuh nicht einfach nur ein Schuh – es steckt viel Forschung, Testarbeit und Entwicklung dahinter. Doch was genau steckt im Kinabalu Ultra?
Beginnen wir mit dem Upper: Dieses besteht größtenteils aus sogenanntem Matryx, das durch thermoplastisches Polyurethan (TPU) verstärkt wird, sowie einer minimalistisch gepolsterten Mesh-Zunge. Dieses Material in Verbindung mit dem klassischen Schnürsystem leistet gute Dienste: Es ist anschmiegsam und flexibel und gibt dem Fuß dennoch den nötigen Halt, ohne einzuengen.
Spannend ist die Zwischensohle aus Kinetic Light Foam. Sie bietet den nötigen Komfort und die Dämpfung für Distanzen jenseits eines Marathons, zeigt sich aber überraschend straff und direkt – kein schwammiges Einsinken. Der Scott Kinabalu Ultra verfügt außerdem über die ER3-Rocker-Geometrie, die spürbaren Rebound verspricht. Die Außensohle „Ultra Traction“ besitzt über Vorfuß- und Fersenbereich verteilte Gummistollen mit einer Profiltiefe von 4 mm. Der Schuh hat eine Sprengung von 7 mm und ein durchschnittliches Gewicht von 270 Gramm.


Performance
Die ausgefeilteste Technologie bringt nichts, wenn das Gefühl nicht stimmt. Und ich kann für mich mit bestem Gewissen sagen: Das Laufgefühl ist stimmig – und damit gut. Natürlich ist das eine sehr individuelle Einschätzung, aber so ist das bei jedem Test. Für den einen ist es der Gamechanger schlechthin, für den anderen funktioniert der Schuh gar nicht.
Dennoch möchte ich behaupten, dass Scott mit dem Kinabalu Ultra einen sehr gut funktionierenden Trailschuh entwickelt hat. Wer sich auf die Suche nach einem neuen ultra-tauglichen Schuh macht, bekommt meist voluminöse „Sohlenmonster“ präsentiert. Eine so straffe Mittelsohle für lange Distanzen ist in der Trailrunning-Szene fast schon eine Seltenheit – genau das hat mich an diesem Modell besonders interessiert.
Die Dämpfung ist sehr homogen, und der Schuh rollt angenehm dahin. Der Foam ist zwar nicht so weich wie bei manchen Konkurrenzmodellen, bietet aber ausreichend Komfort. Gleichzeitig kann ich mir vorstellen, dass die Zwischensohle dadurch viele Laufkilometer übersteht – ein wichtiger Faktor. Was bringt schließlich die beste, dickste und weichste Zwischensohle, wenn sie nach kurzer Zeit platt ist?
Auch die Rocker-Geometrie ist gelungen: Sie liefert spürbaren Rebound auf flachen Passagen und treibt gut voran, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Die Außensohle wirkt im Vergleich zum Rest eher unspektakulär. Es scheint fast, als hätte Scott sich bei Mittelsohle und Obermaterial besonders ausgetobt und die Außensohle etwas nachrangig behandelt. Dennoch erfüllt sie ihren Zweck. Zu technisch und verblockt sollte das Gelände allerdings nicht sein – dafür fehlt es dem Gummi etwas an Grip. Läufer, die bereits den Supertrac Ultra getragen haben, wissen, was gemeint ist.
Insgesamt ergibt sich jedoch ein stimmiges Gesamtbild. Das Gefühl passt – und das ist letztlich entscheidend.


Facts
Gewicht: 270 g
Sprengung: 7 mm
Profiltiefe: 4 mm
Obermaterial: Matryx / thermoplastisches Polyurethan
Mittelsohle: Kinetic Light Foam mit Stickstoff
Außensohle: Rockertechnologie / Scott Traction


Ein schneller Vergleich
Die Kleinigkeiten machen den Unterschied – so auch bei Scott.
Kinabalu Trail:
Leichter, flexibler Schuh mit weniger Dämpfung. Geeignet für kurze, schnelle Distanzen.
Kinabalu Ultra:
Leichter Schuh mit Rocker-Technologie, mehr Dämpfung und mehr Sohle. Geeignet für Langstrecken und für Läufer, die ein direktes Laufgefühl bevorzugen.
Scott Supertrac Ultra:
Das „Ur-Modell“, an dem sich der Kinabalu Ultra orientiert. Bietet weniger Komfort, dafür aber besseren Grip.


Fazit
Ein knackiger, straffer Schuh – modern in der Optik und abseits des Mainstreams. Er verspricht Langlebigkeit durch gut verarbeitetes Material und ist gemacht für lange Einheiten und viele Laufkilometer. Ideal auf flowigen Trails und weichen Waldwegen. Sitzt gut am Fuß, drängt sich nicht auf und ist kaum spürbar. Ein Schuh, der einfach das tut, was er soll: Spaß machen – bei dem Sport, den wir lieben.